Keine Angst vor dem Lektorat. Warum ich jedem eins empfehle.



Du hast lange, vielleicht jahrelang an deinem Roman geschrieben. Du hast deine Seele in dieses Projekt gesteckt. Vielleicht hast du auch schon Testleser an deinen Roman gelassen, sie mit Fragen gelöchert und im Text überarbeitet, was sie zu kritisieren hatten. Doch ist dein Buch schon bereit für die Veröffentlichung?


Für mich war es mein Roman noch nicht. Wann immer ich meine Geschichte las, bekam ich Zweifel. "Stadt der Lügen" fühlte sich noch nicht echt an, noch nicht wie ein richtiger Roman. Ich wusste, jetzt ist es an der Zeit, einen Profi ranzulassen.


Vielleicht geht es dir ja genauso, aber du denkst. Oh Gott! Ein Profi?! Was wenn er oder sie meine Geschichte ganz furchtbar findet?


Ich bin jedes Mal aufgeregt, wenn ich wieder eine Email an meine Lektorin losschicke. Immer Herzklopfen und Schweißausbrüche! Nicht, weil ich Angst vor ihr hätte - sie ist wirklich nett. Ich habe Angst vor der Kritik.


In meinem Kopf spielen sich die schlimmsten Szenen ab. Ich sehe vor mir, wie sie meinen ausgedruckten Text in der Luft zerreißt und dabei ruft: "Eine Frechheit, mir so etwas zu schicken. Wie kann man nur glauben, dass das eine gute Geschichte ist!" Sie wird mich empört anrufen und sagen, ich soll das Schreiben am besten ganz lassen oder mir eine andere Lektorin suchen. Mit so einer Amateurin wie mir, will sie jedenfalls nicht zusammenarbeiten.


Das ist natürlich nie passiert. Genau das macht nämlich einen echten Profi aus! Sie arbeitet meinen Text durch und bringt Verbesserungsvorschläge, völlig neutral! Sie nimmt es nicht persönlich, wenn ich mal Mist geschrieben habe und sie freut sich, wenn mir eine richtig schöne Textstelle gelungen ist. Ja, es gibt auch mal ein Lob von der Lektorin.


Gerade, weil du so an deiner kreativen Arbeit hängst, ist es wichtig, den Text einer Expertin anzuvertrauen. Verwandte oder Freunde können normalerweise deinen Text nicht auf tieferer Ebene verstehen. Sie werden nicht unbedingt sehen oder formulieren können, woran es noch hapert.


Gönne deiner Geschichte jemanden, der etwas vom Fach versteht. Die ganze Arbeit, die du in deinen Roman gesteckt hast, verdient auch ein gutes Lektorat.


Natürlich geht es dabei nicht nur um den Expertenstatus deiner Lektorin/deines Lektors. Suche dir jemanden, der dir sympathisch ist. Ich habe mir, bevor ich meine Lektorin anschrieb, die Reviews auf ihrer Seite durchgelesen und mich hat angesprochen, dass viele von ihrem Humor, aber auch ihrer professionellen Arbeitsweise sprachen.


Höre dabei auf dein Bauchgefühl. Die meisten Lektoren werden dir ein kurzes Probelektorat bieten, damit du siehst, wie sie arbeiten und wie ihre Kommentare zu deinem Text sind. Verschicke ein paar Probeseiten zum Kennenlernen. Spätestens dann solltest du ein Gefühl dafür haben, ob das mit euch passt.


Ich war vom Probelektorat sehr begeistert. Meine Lektorin konnte mir in der Kürze schon richtig gute handwerkliche Tipps geben. Das zeigte mir, dass schon wenige Seiten genügen, um die Augen für bestimmte "Fehler" zu öffnen, die ich so vorher nie wahrgenommen hatte.


Zunächst habe ich von meiner Lektorin ein Plotgutachten machen lassen. Sie klopfte die Story auf Schwächen ab, fragt nach den Motiven der Charaktere, nach dem tatsächlichen Thema der Geschichte. So viele Erkenntnisse über die Charaktere und den Inhalt meiner Geschichte sind mir erst nach dem Plotgutachen gekommen. So ein Gutachten kostet nicht viel - Ich habe um die 70€ dafür bezahlt - es bringt dich dazu, deine Geschichte und vor deine Charaktere mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Danach hatte ich erstmal ordentlich damit zu tun, meinen Roman noch einmal zu überarbeiten.


Als ich das Gefühl hatte: das ist es, ging meine Lektorin noch einmal Kapitel für Kapitel durch, um vor allem meinem Ausdruck zu beurteilen. Hier fühlte ich mich noch besonders unsicher. Ich wollte, dass sich mein Roman einfach gut liest.


Wenn sie etwas am Text kritisierte, ging es mir nie schlecht damit. Klar, manchmal hatte ich wirklich keine Lust mehr, eine Textstelle nochmal zu überarbeiten oder gar eine ganze Szene neu zu schreiben. Aber die Kommentare meiner Lektorin haben mich auch motiviert, dranzubleiben. Es gab auch immer mal was zum Lachen für mich.



Also, nur Mut. Suche dir Hilfe, wenn du mit deinem Manuskript nicht weiterkommst. Das geht auch schon, wenn du den Roman noch gar nicht beendet hast.


Deine Arbeit einem Fachmann/einer Fachfrau zu zeigen, mag beängstigend sein, aber letztendlich wird es deinen Text noch einmal auf ein ganz anderes Niveau heben (bei mir war es zumindest so) und das ist es, was wir wollen, oder nicht? Unserer Geschichte den Roman zu schreiben, den sie auch verdient. Es lohnt sich, die eigenen Ängste zu überwinden.


Meinen Roman Stadt der Lügen gäbe es nicht, ohne die Hilfe meiner Lektorin Lisa Vo Dieu. Danke!



AS Renner ist die Autorin des Romans Stadt der Lügen. Unter dem Pseudonym Sina Jasur hat sie mehrere Sachbücher zu Themen wie Minimalismus, Ernährung und Selfpublishing veröffentlicht. Darüber hinaus unterstützt sie als Coach SchriftstellerInnen dabei, ihre Romane zu vollenden.





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