Mit Farben eine Geschichte erzählen



Ich schaue sehr gern Filmessays, weil ich dabei nicht nur etwas über Filme und wie sie entstehen lernen kann, sondern natürlich auch über das Erzählen von guten Geschichten.


Über die Weihnachtszeit habe ich wieder einmal die "Herr der Ringe"-Trilogie gesehen. Einfach fantastisch! Alles an diesen Filmen! Die Charaktere sind von Tolkien so gut geschrieben, nur an Sauron und den Orks habe ich (in den Filmen) was auszusetzen, aber darüber schreibe ich vielleicht ein anderes Mal. Dafür muss ich vielleicht auch mal die Bücher lesen - habe ich nämlich noch nicht 😬


Jedenfalls habe ich gerade ein Videoessay von Nerdwriter1 geschaut über den Teil der Trilogie, den ich persönlich am besten gelungen finde: die Schlacht um Helms Klamm.



Evan Puschak aka The Nerdwriter macht in diesem Essay auch auf das Spiel mit Licht und Farben aufmerksam. Die Schlacht beginnt bei Einbruch der Nacht. Es ist dunkel und es regnet in Strömen. Der Cinematographer Andrew Lesnie setzte ganz bewusst das helle "Mondlicht" auf unterschiedliche Weise ein, um die Sichtbarkeit der Schlachtszenen zu erhalten und eine ganz bestimmte Stimmung zu erzeugen. Alles spielt sich in Blauschattierungen ab!


Das erinnerte mich an einen anderen Essay von Filmento über den Einsatz von Farben in Justin Kurzels MacBeth-Verfilmung.



Filmento erklärt die visuelle Perfektion dieses Films. "Every Frame a Painting" bedeutet, dass egal an welcher Stelle man den Film pausiert, du diesen Screenshot ausdrucken und dir als Gemälde an die Wand hängen könntest, weil die farbliche Komposition, die Anordnung der Charaktere, der Fokus, alles so gut aufeinander abgestimmt und ganz bewusst eingesetzt worden sind.


Die Verwendung der verschiedenen Farben hat Filmento besonders begeistert. Farben trennen die einzelnen Szenen klar voneinander. Und die Farben unterstreichen das Thema einer Szene.


Depressives Grau in den Kampfszenen, wo unbekannte Männer auf einander einhacken und sich töten. Dagegen die Kampfszene, wo zwei Todfeinde endlich aufeinander treffen: die Welt wird in einem wütenden Rot gezeichnet. Ein Kind, das von Mördern durch einen gruseligen, düsteren Wald gejagt wird: das Bild ist grünlich, trüb, hat wenig Kontrast.


Dabei nicht nur eine Farbe pro Szene, sondern immer in Komposition und/oder Kontrast zu anderen Farben, um das Bild lebendig zu halten. Filmento weist auch darauf hin, wie in MacBeth die Umwelt - Funkenflug, wabernder Nebel, das Flackern von Flammen - genutzt wird, um eine sonst bewegungsarme Szene - Charaktere, die miteinander sprechen, Monologe - interessant zu halten. Wenn die Charaktere still stehen, bewegt sich eben ihre Umwelt in einer Form.


Ich frage mich natürlich unwillkürlich, wie ich diese cinematischen Tricks, das Spiel mit den Farben, mit der Bewegung auch in dem Bild einsetzen kann, das ich als Schriftstellerin mit einer Szene zeichne? Es könnte entscheidend dafür sein, ob sich meine Worte nur in 2D in den Köpfen meiner Leser verbinden oder ob sie wirklich mit allen Sinnen in meine Geschichte hinein gezogen werden, ohne sich dagegen wehren zu können.


Worte können wie Pinselstriche sein, die einen ganzen Raum Strich für Strich entstehen lassen. Jede Szene ein Gemälde. Every scene a painting. Die Filmanalyse gibt mir wundervolle Anreize, diese Techniken beim Schreiben weiter zu verfeinern.


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