Warum du beim Schreiben immer wieder gegen eine Wand rennst



Du willst schreiben? Es war schon immer dein Traum, aber du hast ein oder mehrere angefangene Projekte, die du nie fertig bekommst? Nach der anfänglichen Begeisterung rennst du gegen eine Wand, hast plötzlich keine Energie mehr für dieses Projekt. Du zwingst dich, bist sauer auf dich selbst. Es macht mir doch Spaß! Warum klappt es dann nicht? Warum sabotiere ich mich selbst?


Ich habe das auch erlebt: vor einigen Jahren habe ich mich selbständig gemacht und zunächst Sachbücher veröffentlicht zu Themen, die mich selbst interessieren. Dann wolte ich meinen Traum von der Schriftstellerin endlich wahrmachen - so viele Projekte hatte ich schon unvollendet in der Schublade, Zeit sie endlich fertig zu schreiben.


Ich war hoch motiviert, als ich diesen Schritt machte: Mich mal nur auf das Schreiben konzentieren, nichts anderes mehr machen. Alles liegen lassen, um den ersten Roman fertig zu bekommen.


Und dann ging der Kampf, die Verzweiflung erst richtig los. Ich habe versucht, mich durchzubeissen. Morgens 4 Uhr bin ich aufgestanden, um irgendwie in den Schreibfluss zu kommen und dann war doch alles Mist, was ich geschrieben hatte! Ich begann, mich selbst zu hassen und zweifelte daran, ob ich die richtige Entscheidung getroffen hatte mit der Schriftstellerei.


Mein Bauch aber sagte es mir immer wieder ganz klar: Du hast es in dir. Du liebst diese Geschichten. Warum wohl kommen sie immer wieder in dir hoch? Kein anderer Job könnte dir je dieses Glücksgefühl bringen. Also blieb ich dran und forschte nach, woran es bei mir wirklich haperte. Was hielt mich wirklich vom Schreiben ab? Was in mir sabotierte meinen Traum?


Ich habe mich immer an anderen Schriftstellern orientiert. Klar, man holt sich Tipps bei den Großen. Wie gehen die ans Schreiben ran? Stephen King schreibt jeden Tag 2.000 Wörter! Wenn der das so macht, muss es bei mir doch auch gehen! Ich versuchte also, mich in die Arbeitsmuster anderer Schriftsteller und Künstler zu pressen. Wenn ich bei einem scheiterte, ging ich über zum Nächsten und genau das war der Fehler! Ich kann mir nicht die kreativen Methoden der Anderen überstülpen. Meine Kreativität folgt ihren eigenen Regeln!


Das große Geheimnis des Schreibens ist es, der Energie zu folgen - der positiven Energie wohlgemerkt. Ja, ich kenne die Sprüche: Setz dich jeden Tag hin und schreibe! Nur dann wird es was. Die Frage ist: Wie interpretierst du diese alte Weisheit für dich ganz persönlich? Ich sitze auch so gut wie jeden Tag und schreibe, aber nicht immer an meinem nächsten Roman, auch mal an einem anderen Projekt oder einfach nur, um in mein Tagebuch zu schreiben. Es gibt aber auch Tage, da schreibe ich kein Wort! Weil ich es nicht schaffe, weil ich keine Lust habe, weil ich gerade eine Netflix-Serie binge. Ein Problem ist das nur, wenn du dich danach selbst verurteilst. Wenn du anfängst, dich zum Schreiben zu zwingen, weil es einfach so sein muss!


Die erste Frage, die du dir also stellen solltest ist: Wie ticke ich? Nicht die anderen, sondern, was macht dich aus? Wie arbeitest du am besten? In welchen Momenten kommt deine Kreativität hervor? Es ist nicht immer einfach, das ehrlich für sich zu beantworten und braucht vielleicht auch etwas Zeit. Wir sind so durch Schule und unsere Mitmenschen konditioniert, dass es manchmal schwer fällt, zu akzeptieren, dass ein bestimmter Hut uns einfach nicht passt.


Ich beispielsweise kann nicht jeden Tag 2.000 Wörter für meine Geschichte raushauen und sie dann einfach durchackern bis zum Schluss. Ich arbeite zyklisch. So, wie die Jahreszeiten sich ändern, oder der Mond mal voll oder neu, ist auch meine Kreativität immer im Wandel. Mal fühle ich mich zu dem einen Projekt hingezogen, versinke total darin. Dann wieder brauche ich eine Pause, mache eher Marketingsachen oder begeistere mich für ein anderes Romanprojekt. Früher habe ich dagegen angekämpft und versucht, jeden Tag nach dem gleichen Schema zu gestalten, mich nur auf ein kreatives Projekt zu konzentrieren, um es endlich fertig zu bekommen. Dann habe ich mich über mich selbst geärgert, wenn ich es nicht durchgezogen habe.


Seit dem ich diese Form des Arbeitens und Erzwingens losgelassen habe und mich nicht mehr selbst zermartere, kann ich meine kreativen Energien viel besser nutzen. Befällt mich plötzlich eine neue Idee, dann lasse ich das zu und mache halt mal ein paar Tage Pause mit dem aktuellen Projekt.


Es ist ein Geschenk, neue Ideen zu haben und so lange die Energie dafür da ist, schreibe ich eben das erstmal alles auf. Ich weiß mittlerweile, dass diese Energie verblassen wird, die Luft da auch bald erstmal wieder raus sein wird, und dann kann ich mich wieder dem ursprünglichen Projekt in Ruhe widmen, ohne schlechtes Gewissen.


Die große Herausforderung bei dieser Arbeitsweise ist natürlich Geduld. Wir leben in einer Zeit, wo es um Erfolg geht, der daran gemessen wird, wie viele Wörter du am Tag schreibst, wie viel Geld du mit etwas verdienst, wie viel du schaffst, wie schnell du bist. Dem widerspricht die intuitive Art des Schreibens natürlich extrem. Es erfordert Mut, einfach mal alles fließen zu lassen, und es lohnt sich!

Kate Cavanaugh erzählt hier von ihrem Schreiburlaub. Sie ist jemand, der wirklich viel schreibt. Jeden Tag, auch im Urlaub, arbeitet sie normalerweise an ihren Texten. Durch einen Umzug war sie aber gezwungen (!), eine Woche mit dem Schreiben wirklich zu pausieren. Die ersten Tage hatte sie ein ziemlich schlechtes Gewissen deswegen. Dann entspannte sie sich langsam und beim Streichen eines Zimmers prasselten plötzlich Offenbarungen zu Geschichten auf sie ein, an denen sie schon lange gearbeitet hatte. Das ist so ein typischer Effekt von echten Schreibpausen.


Genau so geht es mir auch oft. Wie aus heiterem Himmel verstehe ich während einer Schreibpause auf einmal einen Zusammenhang, den ich so bisher noch gar nicht gesehen hatte. So entstehen tolle Twists, die man niemals in dieser Form hätte konstruieren können.


Folge der Energie! Deiner Begeisterung und zügele sie nicht, sperre sie nicht ein.

Und wenn die Energie nachlässt, wenn du dich pushen musst, mache eine Pause. Es darf eine richtig lange Pause sein. Du wirst wissen, wann es wieder Zeit ist, an dieser einen Geschichte weiterzuarbeiten. Du wirst anfangen, wieder darüber nachzudenken und Freude dabei empfinden. Höre auf dein Bauchgefühl und vertraue deiner Kreativität.


Wenn ich dich dabei unterstützen kann, kontaktiere mich.


AS Renner ist die Autorin des Romans Stadt der Lügen. Unter dem Pseudonym Sina Jasur hat sie mehrere Sachbücher zu Themen wie Minimalismus, Selfpublishing und Ernährung veröffentlicht. Darüber hinaus unterstützt sie als Coach für Intuitives Schreiben Kreative dabei, ihre eigene Stimme zu finden. Aktuell erhalten die Abonnenten ihres Newsletters das eBook "Intuitives Schreiben. Meine sieben Schritte zum Roman" kostenlos.

  • Instagram
  • Youtube
  • zwitschern

© 2019-2020 by AS Renner. Erstellt mit Wix.com