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Was macht einen guten Antagonisten aus? Meine Lieblingsbösewichte aus dem Fernsehen


Achtung! Die verlinkten Videos enthalten viel Gewalt, Brutalität und natürlich Spoilers!

Eine gute Story braucht einen gefährlichen Antagonisten, einen ernstzunehmenden Gegenspieler. Meine Lieblingsantagonisten? Sie müssen tiefgründig sein.

Tiefe haben heißt für mich, dass auch etwas Gutes in ihnen steckt, ein Konflikt, eine Zerrissenheit, Verletzlichkeit und das Ziel, das sie erreichen wollen, ist begründet, nachvollziehbar, verständlich.


Wir können viel aus der Analyse von TV-Charakteren lernen, für unsere eigenen Antagonisten in unseren Geschichten. Deshalb schaue ich mir gern Videoessays und Charakterstudien zu TV-Charakteren an.


Gute Skripte schaffen es, dass wir uns auf die Seite von Bösewichten stellen, uns vielleicht sogar wünschen, dass sie am Ende gewinnen. Spontan fällt mir Negan von The Walking Dead (Top 10 Negan Moments) ein - absolut böse, was er tut. Gleich in den Szenen, wo er das erste Mal auftritt, hinterlässt er beim Zuschauer das nackte Grauen, tötet zwei Stars der Show auf brutalste Weise.


Unter manchen Youtube-Videos liest man dann aber Kommentare, wie: "Ist es schlimm, dass Negan jetzt mein Lieblingscharakter ist, obwohl er meinen vorherigen Lieblingscharakter Glenn getötet hat?"

Es gibt also Momente, da wandelt sich das Bild der Zuschauer von Negan. Die Fans der Serie finden ihn sympathisch, wollen vielleicht sogar, dass er am Ende triumphiert. Dieses Youtube-Video analysiert, was Negan zu einem so großen Anführer und Bösewicht macht: seine Körpersprache, wie er in den persönlichen Bereich der andern Menschen eindringt, sie mit seinem Blick niederringt, dazu bringt selbst den Blick vor ihm zu senken, die klaren Regeln, die er festlegt, für jeden verständlich und wer auf seiner Seite spielt, bekommt alles, wovon er nur träumen kann.

Wir sehen aber auch anderes in der Serie: Wie er bestürzt reagiert auf die Nachricht vom Tod des Sohnes seines Gegenspielers, weil er eine, wenn auch kranke und von Gewalt geprägte, Beziehung zu diesem Jungen aufgebaut hatte. Wir erfahren, dass Negan verheiratet war, und heute noch mit seinem schlechten Gewissen kämpft, weil er seine Frau schlecht behandelt hat, dass er sich aber um sie kümmerte, als sie an Krebs erkrankte und sie nicht töten konnte, als sie zum Zombie wurde. Das gibt ihm eine menschliche Seite.

Was passiert, als Negan alles verliert, was er sich aufgebaut hat, als sein "Königreich" gestürzt wird? Hat er die Chance doch noch zu einem Helden zu werden? Er wäre nicht der erste Charakter, der sich vom Bösewicht zum Helden wandelt. Das ist in der Serie noch offen.


Jaime Lannister aus der Serie Game of Thrones (Jaime Lannister - Top 20 Moments), wäre ein Paradebeispiel für solch einen Redemption Arc, Erlösungs-Charakterbogen, wie auch immer man das auf Deutsch nennen soll. Eine der schönsten Charakterentwicklungen, die ich seit langem gesehen habe: Jaime ist so böse, er stürzt einen Jungen vom Turm, schläft mit seiner eigenen Zwillingsschwester, tötet seinen Cousin, er ist arrogant - und trotzdem liebt ihn das Publikum, weil er verletzlich wird, seine Hand verliert, Brienne hilft, mit ihr eine Freundschaft pflegt, am Ende sogar eine kurze Beziehung mit ihr eingeht. Können gute Taten die bösen Taten auslöschen? Diese interessante moralische Frage dürfen wir uns als Zuschauer bei Jaime Lannister stellen. Eine Charakterstudie über Jaime Lannister findet Ihr zum Beispiel hier.


Für mich der perfekte Bösewicht ist Hannibal aus der gleichnamigen Serie (Hannibal Season 1: Top Moments). Er tut solch abgrundtief schlimme Sache, bei Gott, dieser Mann ist ein Serienkiller, der seine Opfer verspeist, aber wir lieben ihn, wollen nicht, dass er geschnappt wird, in bestimmten Momenten hassen wir ihn vielleicht auch ein wenig, aber im Grunde ist er einfach cool. Woran liegt das?


Dieses Videoessay erklärt sehr eindrucksvoll, warum wir als Zuschauer, einen Kannibalen (!) wie Hannibal lieben können, wie er uns geradezu verführt und auf seine Seite zieht, während wir im realen Leben einen solchen Menschen verabscheuen und fürchten würden. Zum Beispiel erleben wir Hannibal durch die Augen der anderen nichts ahnenden Charaktere der Show, die Hannibal als einen ehrenvollen, charmanten Mann der Kultur kennenlernen. Wir teilen Hannibals Geheimnisse, sehen seine Kochkunst, wissen, was er da wirklich kocht, während die Gäste ahnungslos und mit Genuss seine Gerichte verspeisen. In dieser Serie wird der Tod, das Böse aufwendig inszeniert und zelebriert, kunstvoll dargestellt. Das alles bringt uns dazu, Hannibals tödlichem Charisma zu erliegen, uns auf die Seite eines Serienkillers zu stellen.

Und selbst Hannibal zeigt Gefühle, obwohl er ein Soziopath ist: er verabscheut Unhöflichkeit, und er liebt seinen Gegenspieler Will Graham, verführt letztendlich auch ihn, zeigt ihm (und dem Zuschauer) das Schöne am Tod. Die "Beziehung" der Beiden und wie sie sich im Laufe der Serie verändert, entwickelt, ist großartig.


Ich lasse mich gern davon für meine eigenen Werke inspirieren und frage mich dann auch, was könnte meine Bösewichte liebenswert machen, wie könnten wir Verständnis für die bösen Entscheidungen meiner Antagonisten aufbringen, warum hatte der Antagonist gar keine andere Wahl, als so zu handeln?


Schreibt mir in die Kommentare, was Eure Lieblingsbösewichte aus Buch, TV und Kino sind. Und was sie Eurer Meinung nach so großartig macht.


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